Mikrobiologische Sicherheitskontrollen: der Schlüssel zur Skalierung der direkten Trinkwasserwiederverwendung in Europa?
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Europas erstes Projekt zur direkten Trinkwasserwiederverwendung aus kommunalem Abwasser versorgt heute 12.000 Menschen in Belgien und wird seine Kapazität bis Ende 2026 auf 800 Millionen Liter pro Jahr verdoppeln
bNovates BactoSense ermöglicht eine kontinuierliche mikrobiologische Überwachung in Echtzeit im Wasserproduktionszentrum Hofstade und gibt Betreibern rund um die Uhr Sicherheit, dass das in das Netz eingespeiste Wasser trinkbar ist
Für eine Anlage mit einer Produktion von 50.000 Litern Trinkwasser pro Stunde ist eine dreitägige Blindphase bei der Analyse keine Option. BactoSense liefert Ergebnisse in 20 Minuten
AALST, Belgien – Nahezu in Echtzeit verfügbare mikrobiologische Messdaten des Schweizer Unternehmens bNovate Technologies stellen sicher, dass Europas erstes Projekt zur direkten Trinkwasserwiederverwendung (DPR) strenge regulatorische Anforderungen erfüllt – in einem Umfeld, in dem der Druck auf die Süßwasserressourcen weiter steigt.
Europas erstes DPR-Projekt aus kommunalem Abwasser
Das Wasserproduktionszentrum (WPC) in Hofstade ist Europas erstes Projekt zur direkten Trinkwasserwiederverwendung (Direct Potable Reuse, DPR) auf Basis von kommunalem Abwasser. Es produziert derzeit rund 400 Millionen Liter Trinkwasser pro Jahr und versorgt etwa 12.000 Menschen. Bis Ende 2026 wird die Produktionskapazität der Anlage auf 800 Millionen Liter pro Jahr verdoppelt.
Das Projekt wurde von Waterunie entwickelt, einem Versorgungs-Joint-Venture von Farys und De Watergroep, in Zusammenarbeit mit dem belgischen Wasserspezialisten Nuoro, Aquafin sowie der Forschungsplattform CAPTURE. Im Jahr 2025 wurde das Projekt mit dem Water Reuse Europe – Innovation Prize ausgezeichnet, der Initiativen würdigt, die durch Wasserwiederverwendung einen bedeutenden Beitrag zur Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen in der Wasserversorgung leisten.
Urbane Resilienz treibt den DPR-Markt voran
DPR wird zunehmend als strategischer Hebel für urbane Resilienz, Kosteneffizienz und nachhaltige Entwicklung betrachtet. Im Jahr 2024 wurde der globale Markt für Wasserwiederverwendung auf 15 Milliarden Euro geschätzt und soll laut einem aktuellen Bericht der International Desalination and Reuse Association (IDRA) bis 2030 auf 26 Milliarden Euro wachsen.
In der EU liegt die Abdeckungsrate der Abwasserbehandlung bereits bei über 86 %. Die Ausweitung von DPR wird daher als logischer nächster Schritt gesehen, um die Klimaanpassungsstrategien Europas weiter zu stärken.
Mikrobiologische Wasserqualität in Minuten sichtbar:
Nahezu Echtzeit-Überwachung als Voraussetzung für sichere Wasserqualität
Die direkte Trinkwasserwiederverwendung erfordert eine kontinuierliche und nahezu in Echtzeit verfügbare Absicherung der Wasserqualität – etwas, das konventionelle mikrobiologische Verfahren nicht leisten können.
BactoSense erfüllt diese Anforderung durch die kontinuierliche Messung mikrobiologischer Zellzahlen und die Integration in SCADA-Systeme (Supervisory Control and Data Acquisition), die Betreiber bei Abweichungen automatisch alarmieren. Dadurch wird die Analysezeit von bis zu drei Tagen bei klassischen Labormethoden auf nur etwa 20 Minuten reduziert.
BactoSense adressiert die drei zentralen Vertrauensbarrieren bei der Einführung von DPR: öffentliche Akzeptanz, regulatorische Anforderungen und operative Sicherheit. Während Membranfiltration, Aktivkohlefiltration und Desinfektionsverfahren das Wasser aufbereiten, übernimmt BactoSense als letzte Stufe im DPR-Prozess die nahezu Echtzeit-Überwachung des behandelten Wassers und liefert schnelle, präzise Einblicke in Veränderungen der Wasserqualität.

Europa erkennt das Potenzial sicherer Trinkwasserwiederverwendung
Bart de Gusseme, Senior Expert Innovation Water bei FARYS, erklärt:„Die BactoSense-Technologie ist ein wertvoller Parameter in unserem SCADA-System. Wenn sie ungewöhnliche Veränderungen der mikrobiologischen Werte im Ausgangswasser erkennt, wird die Anlage automatisch gestoppt. Das hilft uns nicht nur, die Qualität des abgegebenen Wassers zu sichern, sondern stärkt auch das Vertrauen in die Trinkwasserwiederverwendung als sichere Quelle.“
Serge Gander, CEO von bNovate Technologies, ergänzt:„DPR ist kein Pilotprojekt mehr. Es ist die Zukunft der Wasserversorgung in wasserarmen Regionen, und Europa erkennt das zunehmend.“
Er führt weiter aus:„Der IDRA-Bericht 2026 macht deutlich, dass Echtzeitüberwachung keine Option, sondern die Grundlage für das Funktionieren von DPR ist. Das haben wir in Hofstade gezeigt. Eine einzige negative Überraschung in einem DPR-System kann nicht nur den Betrieb beeinträchtigen, sondern das Vertrauen von Öffentlichkeit und Behörden über Jahre hinweg zurückwerfen. Deshalb ist kontinuierliche mikrobiologische Überwachung unverzichtbar. Wiederverwendung lässt sich nicht skalieren, wenn die Wasserqualität nicht kontinuierlich gemessen und gleichzeitig Vertrauen aufgebaut wird. Genau das ermöglichen wir – und genau das muss die Branche verstehen.“
Fazit
Die direkte Trinkwasserwiederverwendung wird sich in Europa nicht allein durch leistungsfähige Aufbereitungstechnologien durchsetzen, sondern durch die Fähigkeit, die Wasserqualität jederzeit transparent und verlässlich nachzuweisen. Das Wasserproduktionszentrum in Hofstade zeigt, dass genau das möglich ist: Durch die Kombination aus moderner Aufbereitung und kontinuierlicher mikrobiologischer Überwachung wird aus zeitverzögerter Kontrolle eine unmittelbare Steuerung.
Mit zunehmenden regulatorischen Anforderungen und wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit wird die kontinuierliche Überwachung zum neuen Standard. Sie schafft Vertrauen, ermöglicht einen sicheren Betrieb und ist damit der entscheidende Faktor, um das volle Potenzial von DPR in Europa zu erschließen.
Schnelle Einblicke in Ihren Prozess integrieren:
FAQ: Direkte Trinkwasserwiederverwendung (DPR) und mikrobiologische Überwachung
Warum sind klassische mikrobiologische Methoden für die direkte Trinkwasserwiederverwendung (DPR) nicht ausreichend?
Klassische mikrobiologische Methoden wie kulturbasierte Labortests liefern Ergebnisse erst nach 24 bis 72 Stunden. Für die direkte Trinkwasserwiederverwendung (DPR) bedeutet diese Verzögerung eine kritische Blindphase, in der Wasser bereits in das Versorgungsnetz eingespeist wird, ohne dass aktuelle mikrobiologische Daten vorliegen. Daher sind diese Methoden für die operative Steuerung von DPR-Anlagen nicht ausreichend.
Wie verbessert nahezu Echtzeit-Überwachung die Sicherheit und den Betrieb von DPR-Anlagen?
Nahezu Echtzeit-Überwachung der mikrobiologischen Wasserqualität reduziert die Analysezeit von Tagen auf Minuten. Dadurch können Betreiber Abweichungen sofort erkennen, automatisierte Alarme auslösen und direkt Maßnahmen ergreifen. Diese kontinuierliche Überwachung erhöht die Sicherheit, verbessert die Prozesskontrolle und ermöglicht einen proaktiven statt reaktiven Betrieb von DPR-Anlagen.
Wie trägt kontinuierliche mikrobiologische Überwachung zum Vertrauen in die direkte Trinkwasserwiederverwendung (DPR) bei?
Kontinuierliche mikrobiologische Überwachung schafft Transparenz, Nachvollziehbarkeit und dokumentierte Sicherheit der Wasserqualität. Für Behörden, Betreiber und Öffentlichkeit ist die Fähigkeit, Wasserqualität nahezu in Echtzeit nachzuweisen, entscheidend für Vertrauen. Diese Transparenz ist eine zentrale Voraussetzung für die regulatorische Akzeptanz und die breite Einführung von DPR in Europa.

