Echtzeit-Mikrobiologisches Monitoring: Von reaktiver Probenahme zur kontinuierlichen Steuerung
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Was eine einjährige Marine-Monitoring-Studie in Monaco für Wasserfachleute bedeutet
In komplexen Wassersystemen ist Stabilität selten Zufall. Sie wird geplant, aufgebaut, kontinuierlich überwacht und gezielt gesteuert. Besonders deutlich wird dies in großen öffentlichen Meerwasseraquarien, in denen Tausende von Organismen auf ein sorgfältig ausbalanciertes mikrobiologisches Umfeld angewiesen sind.
Doch selbst in hochkontrollierten Systemen bleiben mikrobielle Dynamiken naturgemäß variabel. Die Rohwasserqualität verändert sich mit den Jahreszeiten. Hydraulische Bedingungen schwanken. UV-Anlagen altern. Biologische Aktivität nimmt zu oder ab. Klassisches mikrobiologisches Monitoring – basierend auf periodischer Probenahme und Laborinkubation – liefert dabei lediglich Momentaufnahmen dieser Realität.
Eine kürzlich veröffentlichte einjährige Studie des Ozeanographischen Instituts von Monaco zeigt einen alternativen Ansatz. Durch die Kombination aus automatisierter, nahezu echtzeitfähiger Durchflusszytometrie, klassischer Mikrobiologie und Antibiotika-Resistenztestung konnten die Forschenden demonstrieren, wie kontinuierliches mikrobiologisches Monitoring das Wassermanagement von einer reaktiven hin zu einer präventiven Betriebsführung weiterentwickeln kann.
Obwohl die Untersuchung in einem Meerwasseraquarium durchgeführt wurde, reichen die Implikationen weit über diesen Anwendungsbereich hinaus – in die Aquakultur, das Monitoring von Küstenentnahmen, die Meerwasserentsalzung sowie in industrielle Wasseraufbereitungssysteme.
Den vollständigen Fachartikel finden Sie hier.
Echtzeit-Mikrobiologisches Monitoring als betrieblicher Parameter
In der Anlage in Monaco wurde mittels automatisierter Durchflusszytometrie die Anzahl intakter Zellen (Intact Cell Count, ICC) im gesamten Meerwasser-Umlaufsystem nahezu in Echtzeit erfasst. Anstatt mehrere Tage auf Ergebnisse aus Kulturverfahren zu warten, verfügten die Betreiber über eine kontinuierliche Transparenz hinsichtlich der lebensfähigen Bakterienkonzentrationen.
Dies verändert die Rolle der mikrobiologischen Wasserqualität grundlegend.
Mikrobiologie wird zu einem laufend verfügbaren betrieblichen Parameter – vergleichbar mit Trübung, Leitfähigkeit oder Druck – und nicht mehr zu einer verzögerten Bestätigung vergangener Zustände.
Treten Abweichungen auf, werden sie unmittelbar sichtbar. Das ermöglicht frühzeitigere Eingriffe und fundiertere betriebliche Entscheidungen.
Behandlungseffizienz in Echtzeit messen
Die Studie zeigte deutliche mikrobielle Gradienten innerhalb des Systems. An der Mittelmeer-Entnahmestelle lagen die Bakterienkonzentrationen bei über 1,4 × 10⁵ Zellen pro Milliliter. In den Ausstellungstanks sanken die Werte auf unter 1,3 × 10⁴ Zellen pro Milliliter.
Filtration und UV-C-Desinfektion erwiesen sich somit als nachweislich wirksam.
Gleichzeitig machte das kontinuierliche Monitoring lokale Unterschiede zwischen einzelnen UV-Einheiten sichtbar. Solche Abweichungen – bedingt durch Lampenalterung, Verschmutzung oder hydraulische Konfiguration – sind in realen Anlagen nicht ungewöhnlich. Der entscheidende Unterschied lag hier in der frühzeitigen Erkennung.
Die Überwachung der UV-Performance erfolgte nicht länger indirekt, sondern wurde anhand mikrobieller Reduktionsdaten messbar.
Für Wasserfachleute ist dies betriebsrelevant: Die Leistungsfähigkeit der Aufbereitung kann kontinuierlich verifiziert werden – statt zwischen Probenahmeintervallen lediglich angenommen zu werden.
Die kontinuierliche Bewertung der mikrobiologischen Stabilität ist auch in Ihrer Anlage möglich.
Natürliche Variabilität von betrieblichem Risiko unterscheiden
Im Verlauf des einjährigen Monitorings schwankten die Bakterienkonzentrationen am Rohwasserzulauf zwischen etwa 5 × 10⁴ und 2,5 × 10⁵ Zellen pro Milliliter, mit deutlichen Spitzen im Frühjahr und Frühsommer.
Diese Schwankungen spiegeln natürliche marine Produktivitätszyklen wider.
Ohne kontinuierliches Monitoring könnten solche Spitzen leicht als interne Instabilität interpretiert werden. Die Daten zeigten jedoch, dass das interne Umlaufsystem trotz saisonaler Veränderungen am Zulauf mikrobiologisch stabil blieb.
Für Versorgungsunternehmen und Küstenanlagen ist diese Unterscheidung entscheidend. Kontinuierliches Meerwasser-Monitoring schafft den notwendigen Kontext und ermöglicht es Betreibern, zwischen umweltbedingten Einflüssen und einer nachlassenden Aufbereitungsleistung zu unterscheiden.
Von der Probenahme zur präventiven Steuerung
Die Studie integrierte zudem bakterielle Identifizierung sowie Antibiotika-Resistenztestungen und unterstrich damit, dass mikrobiologisches Management auf Ausgewogenheit und nicht auf Sterilität abzielt.
Die übergeordnete Schlussfolgerung ist eindeutig: Automatisierte, nahezu echtzeitfähige Durchflusszytometrie ermöglicht ein präventives mikrobiologisches Management.
Sie schafft kontinuierliche Transparenz, erlaubt die frühzeitige Erkennung von Leistungsabweichungen in der Aufbereitung und unterstützt datenbasierte Instandhaltungsentscheidungen. Gleichzeitig reduziert sie die Abhängigkeit von rein reaktiven Maßnahmen.
In einer Branche, die zunehmend auf Resilienz und Risikokontrolle ausgerichtet ist, kann die mikrobiologische Wasserqualität heute mit derselben Konsequenz überwacht werden wie andere kritische Prozessparameter.
„Aus betrieblicher Sicht fungiert die kontinuierliche zytometrische Überwachung als Frühwarn- und Entscheidungsunterstützungssystem, das reaktive Eingriffe und den Einsatz von Antibiotika reduziert und gleichzeitig Zuverlässigkeit sowie Betriebssicherheit erhöht.“
Fazit
Die einjährige Monitoringkampagne in Monaco verdeutlicht, dass die Kombination aus automatisierter Durchflusszytometrie und klassischer Mikrobiologie einen tragfähigen Rahmen für das mikrobiologische Management komplexer Meerwassersysteme bietet.
Saisonale Schwankungen blieben bestehen. Auch die Aufbereitung war nicht frei von Variationen.
Neu war jedoch die kontinuierliche Transparenz über mikrobiologische Entwicklungen im System.
Für moderne Wasserbetriebe bedeutet dies: Mikrobiologische Wasserqualität kann heute ebenso systematisch und fortlaufend bewertet werden wie andere zentrale Prozessparameter.
Der Übergang von reaktiver Probenahme zu präventiver mikrobiologischer Steuerung ist technisch möglich.
Häufig gestellte Fragen
Worin unterscheidet sich die automatisierte Durchflusszytometrie von klassischen mikrobiologischen Verfahren?
Traditionelle kulturbasierte Methoden erfordern Inkubationszeiten und erfassen ausschließlich kultivierbare Organismen. Die automatisierte Durchflusszytometrie hingegen quantifiziert intakte bakterielle Zellen nahezu in Echtzeit und ermöglicht damit eine kontinuierliche Bewertung der gesamten lebensfähigen mikrobiellen Belastung.
Kann Durchflusszytometrie zuverlässig in Meerwasser eingesetzt werden?
Ja. Die Studie in Monaco zeigte einen stabilen Langzeitbetrieb unter hochsalinen Bedingungen.
Ersetzt Echtzeit-Mikrobiologisches Monitoring die Laboranalytik?
Nein. Kontinuierliches Monitoring ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Veränderungen und schafft betriebliche Transparenz. Laborbasierte Identifizierung sowie Resistenztestungen bleiben jedoch weiterhin essenziell für die Risikobewertung und die Charakterisierung spezifischer Mikroorganismen.





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