Wie sicher ist unser Badegewässer wirklich? Was EU-Vorschriften aussagen – und was nicht
Im ersten Beitrag dieser dreiteiligen Blogserie haben wir uns mit der zunehmenden Beliebtheit des Schwimmens in Städten und natürlichen Gewässern beschäftigt. Immer mehr Menschen zieht es nicht nur an die Strände, sondern auch an Flüsse, Kanäle und Hafenbecken. Städte werden zunehmend zu Orten, an denen man schwimmen kann. Gleichzeitig steht die Wasserqualität in Küstengebieten verstärkt im Fokus von Umweltorganisationen und Wassersportlern. Dabei wird insbesondere die mangelnde Transparenz und Berichterstattung über Verschmutzungsereignisse kritisiert.
In diesem Beitrag betrachten wir, wie Europa mit gesetzlichen Regelungen auf die Herausforderungen rund um die Wasserqualität reagiert.

Wie häufig wird die Badegewässerqualität in den EU-Mitgliedstaaten überwacht?
Gemäss der EU-Badegewässerrichtlinie müssen die Mitgliedstaaten ihre Badegewässer jährlich überwachen. Pro Badesaison sind mindestens vier Proben vorgeschrieben, ausser wenn die Saison sehr kurz ist oder besondere geografische Bedingungen vorliegen.
Eine Probe muss vor Beginn der Badesaison entnommen werden, die drei weiteren während der Saison. Zwischen den einzelnen Probenahmen darf höchstens ein Monat liegen.
Die Badegewässerqualität wird in vier Kategorien eingeteilt:
Ausgezeichnet: Hohe Wasserqualität mit minimalem Verschmutzungsrisiko.
Gut: Akzeptable Wasserqualität mit einem gewissen Verschmutzungsrisiko.
Ausreichend: Akzeptable Wasserqualität, jedoch mit einem höheren Verschmutzungsrisiko als bei der Einstufung „Gut“.
Mangelhaft: Erhebliche Verschmutzungsrisiken, die sofortige Massnahmen erfordern.
Diese Einstufungen basieren auf den Untersuchungsergebnissen von vier Jahren – der aktuellen Badesaison und den drei vorangegangenen Jahren.
Aktuelle Daten zur Badegewässerqualität in der EU
Laut den neuesten EU-Zahlen wurden 2025 rund 85 % der Küstenbadegewässer als ausgezeichnet eingestuft. Bei den Binnenbadegewässern lag dieser Anteil bei 78 %. Die Wasserqualität von Flüssen bleibt in der Datenerfassung allerdings teilweise ein blinder Fleck, wie wir im Folgenden erläutern.
Die EU-Badegewässerrichtlinie
Die Badegewässerqualität steht in Europa bereits seit den 1970er-Jahren auf der politischen Agenda. Damals wurden erstmals Vorschriften eingeführt, um die Sauberkeit von Küsten- und Binnengewässern zu verbessern. Diese Regelungen wurden später vereinfacht und in der Badegewässerrichtlinie von 2006 zusammengefasst.
Ihr Ziel ist es, die Umweltqualität zu erhalten, zu schützen und zu verbessern sowie die menschliche Gesundheit zu schützen. Damit ergänzt sie die Richtlinie 2000/60/EG, die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie. Die Badegewässerrichtlinie gilt für Oberflächengewässer im Binnen- und Küstenbereich, in denen die zuständigen Behörden mit einer grossen Zahl von Badenden rechnen.
Sie soll sicherstellen, dass Menschen in allen Teilen der EU von denselben Standards bei der Überwachung und beim Schutz der Badegewässer profitieren – unabhängig davon, wo sie leben oder Urlaub machen.
An rund 22'000 Badestellen werden mikrobiologische Parameter überwacht, insbesondere E. coli und Enterokokken. Im Jahr 2021 beschloss die EU, die Richtlinie erneut zu überprüfen, um festzustellen, ob Anpassungen an andere Vorschriften erforderlich sind.
Im Rahmen einer öffentlichen Konsultation gingen 51 Stellungnahmen verschiedener Interessengruppen ein. Eine von der EU beauftragte Überprüfung kam zu dem Ergebnis, dass die Richtlinie die Gesundheit der Badenden wirksam schützt und ihre Umsetzung zu einer Verbesserung der Badegewässerqualität geführt hat.
Trotz dieser positiven Bilanz stellte die Überprüfung fest, dass beim Gesundheits- und Umweltschutz weiterhin Verbesserungspotenzial besteht.
Insbesondere wurde darauf hingewiesen, dass lediglich zwei spezifische Bakterienarten überwacht werden und sich die Untersuchungen auf die begrenzte Zeit der Badesaison konzentrieren.
Was die Rückmeldungen zur Überprüfung zeigten
Ein grosser Teil der Befragten sprach sich für häufigere, ganzjährige Untersuchungen aus. Die Ergebnisse sollten möglichst schnell öffentlich zugänglich sein, um auch Freizeitaktivitäten ausserhalb der traditionellen Badesaison zu berücksichtigen.
Viele forderten zudem eine Modernisierung der Überwachung sowie den Einsatz neuer Technologien, um Verschmutzungsereignisse einfacher erkennen und melden zu können.
Letztlich sollen die Untersuchungen den Menschen ermöglichen, fundiert zu entscheiden, wann und wo sie schwimmen gehen.
Datenlücken werden zum Problem für die öffentliche Gesundheit
Es ist erfreulich, dass die Badegewässer in der EU überwiegend so gut bewertet werden. Doch liefern diese Daten tatsächlich ein zuverlässiges Bild davon, wie sicher die Gewässer sind? Die Antwort lautet: ja und nein.
Ja, denn regelmässige Untersuchungen über längere Zeiträume ermöglichen eine allgemeine Einschätzung der Wasserqualität.
Nein, denn wie die Rückmeldungen zur Überprüfung der Richtlinie zeigen, hält die bisherige Überwachung nach Ansicht vieler Beteiligter nicht mehr mit den veränderten Freizeitgewohnheiten Schritt.
Das Schwimmen in natürlichen Gewässern erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Weltweit teilen Menschen ihre bevorzugten Badestellen an Flüssen und Kanälen, die als sicher gelten. Ein Nachteil der EU-Badegewässerrichtlinie besteht jedoch darin, dass Flüsse unter den offiziell ausgewiesenen Badegewässern unterrepräsentiert sind. Sie machen weniger als 6 % der erfassten Badegewässer aus, und nur 47 % erreichen die Einstufung „Ausgezeichnet“.
Wie bereits im ersten Blogbeitrag beschrieben, rückt auch die Bewegung für schwimmbare Städte die Wasserqualität von Flüssen, Hafenbecken und anderen urbanen Gewässern stärker in den Fokus.
Viele Städte nehmen diese Herausforderung an. Ein bekanntes Beispiel ist Paris, wo die Seine im Vorfeld der Olympischen Spiele 2024 umfassend saniert wurde.
Auch die Kommunikation bleibt eine Herausforderung. Die Überprüfung zeigt, dass Informationen über die Badegewässerqualität die Bevölkerung grundsätzlich erreichen, ihre Bereitstellung und Verständlichkeit jedoch verbessert werden könnten.
Darüber hinaus wird das Potenzial digitaler Technologien bislang nicht vollständig ausgeschöpft. Sie könnten die Überwachung und Berichterstattung vereinfachen, die Vorhersage von Veränderungen der Wasserqualität verbessern und der Öffentlichkeit zeitnah verständliche Informationen liefern.
Diese Datenlücken verdeutlichen die Herausforderungen bei der Überwachung von Badegewässern. Die Untersuchungen finden zwar regelmässig statt, doch angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich die Wasserqualität verändern kann, sind die Abstände zwischen den Probenahmen relativ gross. Hinzu kommt, dass Laboranalysen mehrere Tage dauern können, bis zuverlässige Ergebnisse vorliegen.
Häufige Überwachung und schnelle Erkennung stärken die Widerstandsfähigkeit der Wassersysteme
Die Überwachung von Badegewässern liefert nicht nur Informationen über die lokalen Bedingungen. Sie kann auch auf mögliche Probleme flussaufwärts hinweisen.
Im Juni 2025 verabschiedete die Europäische Kommission ihre Strategie zur Wasserresilienz, deren zentrale Ziele die Stärkung der Wasserpolitik, die Weiterentwicklung gesetzlicher Vorgaben und ein verbessertes integriertes Wassermanagement umfassen.
Die Badegewässerrichtlinie ist ein wichtiger Bestandteil dieses übergeordneten Ansatzes. Die Ergebnisse ihrer jüngsten Überprüfung zeigen zugleich, wo Verbesserungen möglich sind: durch ganzjährige und häufigere Untersuchungen, einen stärkeren Einsatz digitaler Technologien sowie eine schnellere und transparentere Kommunikation möglicher Gefahren.
Technologien wie BactoSense ID von bNovate können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Das System liefert zuverlässige Ergebnisse in weniger als 60 Minuten. Es wurde entwickelt, um die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen zu ergänzen und durch kontinuierliche Überwachung zusätzliche Einblicke in die mikrobiologische Wasserqualität zwischen den Laborproben zu ermöglichen.
So können Wasserfachleute Veränderungen früher erkennen, die Wirksamkeit von Aufbereitungsprozessen überprüfen und fundiertere Entscheidungen treffen.
BactoSense ID gehört zu einer Produktfamilie, deren Systeme Bakterien in unterschiedlichsten Bereichen der Wasserversorgung und -aufbereitung überwachen und nachweisen – von Küstengewässern bis hin zu Wasseraufbereitungsanlagen. Dadurch lässt sich ein umfassenderes Bild möglicher Risiken gewinnen.
Die Ergebnisse können zudem schnell bereitgestellt werden und beispielsweise in öffentliche digitale Informationsplattformen einfliessen. So könnten Veränderungen der lokalen Wasserqualität transparenter und aktueller dargestellt werden.
Für lokale Behörden ergeben sich daraus zusätzliche Möglichkeiten, frühzeitig auf Verschmutzungsereignisse zu reagieren. Gleichzeitig können die Informationen dabei helfen, zu beurteilen, wann sich die Wasserqualität nach einem Vorfall wieder verbessert hat. Dies könnte dazu beitragen, Badestellen früher wieder zu öffnen, sofern die erforderlichen behördlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Bürgerinitiativen und Freizeitnutzer haben wesentlich dazu beigetragen, den Zustand unserer Badegewässer stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Gleichzeitig führen Wasserknappheit und extreme Wetterereignisse zu neuen gesetzlichen Massnahmen, um Wasserressourcen besser zu nutzen und die Umwelt zu schützen.
Diese Entwicklungen fördern den Bedarf an neuen Technologien und verbesserten Informationssystemen. Im dritten und letzten Beitrag dieser Serie werden wir uns damit näher beschäftigen.
Frequently Asked Questions
Wie häufig wird die Badegewässerqualität in Europa kontrolliert?
Gemäss der EU-Badegewässerrichtlinie müssen ausgewiesene Badegewässer während der Badesaison mindestens viermal untersucht werden, wobei bestimmte Ausnahmen gelten. Die Wasserqualität wird anhand der Ergebnisse aus vier Jahren als ausgezeichnet, gut, ausreichend oder mangelhaft eingestuft. Allerdings kann sich die Wasserqualität zwischen den einzelnen Probenahmen erheblich verändern.
Bedeutet eine ausgezeichnete Badegewässerqualität, dass das Schwimmen immer sicher ist?
Nicht unbedingt. Die Einstufung „Ausgezeichnet“ basiert auf Untersuchungsergebnissen aus mehreren Badesaisons und gibt nicht unbedingt Aufschluss über die Wasserqualität an einem bestimmten Tag. Starke Regenfälle, Verschmutzungsereignisse oder Abwassereinleitungen können die Bakterienkonzentration kurzfristig verändern und zwischen den geplanten Untersuchungen Risiken verursachen.
Wie kann die kontinuierliche Bakterienüberwachung die Sicherheit von Badegewässern verbessern?
Die kontinuierliche Überwachung hilft dabei, Veränderungen der Bakterienkonzentration zwischen den Laboruntersuchungen frühzeitig zu erkennen. Technologien wie BactoSense ID überwachen automatisch spezifische Bakterien, darunter Koliforme und Enterokokken, und liefern Ergebnisse in weniger als 60 Minuten. So lassen sich mögliche Verunreinigungen früher erkennen und fundiertere Entscheidungen treffen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen werden dabei ergänzt, nicht ersetzt.





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